29.09.-01.10.13 Köln

In welcher Stadt sind Die Dölzschner wohl als nächstes? Kleiner Tipp: Riesiger Dom! Kölle Alaaf!
Das Wahrzeichen der Stadt ist schon von weitem sehr gut erkennbar und wirkt, wenn man einmal davor steht, wirklich beeindruckend (die Kommentare sind ähnlich wie bei der Queen Mary 2 [siehe Hamburg]). Auf dem Platz davor sind allerlei Touristen und Straßenkünstler unterwegs. Da wäre es doch eine vergebene Chance, wenn man sich als Nachwuchsband nicht einfach mal daneben stellt. Ein Parkplatz in der Nähe des Doms ist (erstaunlicherweise) schnell gefunden und die Instrumentensammlung zügig auf die Domplatte verfrachtet.
Wer nun einen kleinen Blick zurück wirft und erkennt, dass schon bespielte Seitengassen in Kleinstädten die Ordnungshüter anziehen, der wird verständlicherweise skeptisch, wenn sich drei unlizenzierte Knaben mit einem nicht unerheblichen Aufgebot an Klangwerk (insbesondere Verstärker und Schlagzeug) vor dem Hauptanziehungspunkt in der Kölner Innenstadt einrichten.

 

Die Sorge ist zum Glück unbegründet. Ein begeisterteres Publikum hat man selten gesehen, denn schon die Anzahl der Schaulustigen übersteigt das, was man von einem normalen Straßenauftritt gewohnt ist um einiges. So macht das Freude! Nach dem ersten Block soll auch die andere, zum Bahnhof hin gerichtete Domseite die Dölzschner Musik vernehmen. Beim Aufstellen des (beim Umzug nur eilig zusammengeschnürten und aneinandergehängten) Instrumentalbestandes fühlt sich ein um Geld bettelnder Punk um seinen Umsatz gebracht und behauptet in einem relativ unangemessenen Tonfall, die Straßenmusik würde ihm "das Geschäft kaputt machen". Die Dölzschner legen ihm nahe, sein Geschäftsmodell zu überdenken und fahren im Programm fort. Die Lauschenden geben ihnen Recht. Nachdem im Anschluss alles wieder verstaut ist, wird der Tag mit einigen Bierchen und in Begleitung zweier Vertreter der zuvor unterhaltenen Zuhörerschaft, auf der Domplatte begossen.

Es wäre sicherlich töricht gewesen, am Tag darauf nicht zu versuchen an die erzielten Erfolge anzuknüpfen. Selber Ort, (fast) selbe Zeit und die Kölner wissen wo die Musi spielt. Die bereits hoch gesetzten Erwartungen werden beim Anblick der Menschentraube nochmals übertroffen. Ein Hoch auf den Tourismus!

Als die Auftrittseuphorie beim Beladen des Busses schon etwas abgeflaut ist, folgt ein weiteres Highlight. Wer läuft den Dölzschnern nach dem Verlassen des MDR-Rundfunkhauses durch den Hinterausgang in die Arme? Kein geringerer als der Trainer der deutschen Nationalmannschaft, Jogi Löw. Er wirkt etwas angespannt, erklärt sich jedoch ohne größere Überzeugungsarbeit bereit, ein Foto mit den "Fans" zu machen. Was für ein Tag. Da genehmigt man sich doch gerne mal eine Pizza zum Abendbrot und vielleicht auch ein oder zwei Mixgetränke im Irish Pub.

Die Dölzschner sind drei Musiker aus Dresden-Dölzschen, die seit dem Jahr 2011 miteinander musizieren. Die Basis der selbst geschriebenen Musik (HT-Phon-Sound) ist das HT-Phon – ein von Ludi selbstgebautes Instrument aus Abflussrohren.

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