13.-15.10.13 Offenburg

Offenburg steht an. Wie man merkt, zieht es Die Dölzschner doch immer wieder ins Heimatland. Und wenn man schon mal da ist, kann man sich auch ein kühles Blondes genehmigen. Das im Fachjargon der Dölzschner als „Lecki Pompecki“ bezeichnete Gebräu ist vor Ort nicht gerade günstig, aber der Umkreis der aufgesuchten Ausschanklokalität „Coyote“ wird als Bespielungsstandort vorgemerkt.
Trotz des nicht zu verachtenden Gefälles, das der gewählte Nächtigungsplatz aufweist, steht man am Tag darauf fit und dynamisch in einer Seitengasse des durch den „Hamburger Fischmarkt“ relativ belebten Offenburger Zentrums.

Wenn man in verschiedenen Städten Präsenz zeigt (was als Straßenmusiker nicht selten ist), dann kommt es vor, dass man von Leuten angesprochen wird. Dass man daraufhin nette Gespräche führt, sich austauscht und vielleicht sogar neue Freundschaften schließt. Das sind der Optimalfall und auch ganz wunderbare Bereicherungen, die dieses Leben mit sich bringen.
Andererseits gibt es auch Leute, die anscheinend sowieso den ganzen Tag nichts Besseres zu tun haben als Anderen ihre Gedanken vorzutragen. Das fängt bei der klassischen, politischen Diskussion an, meist begonnen durch ältere Herren, denen die Musik zwar gefällt, „aber die ganzen Ausländer! Früher da gab's so wat nich … ´n büschn rechts kann nie schaden!“ oder „ein toter Kommunist ist ein guter Kommunist“ …
Ja, sowas wird einem erzählt. Man wird von den abseits stehenden Bandkollegen mitleidig belächelt, während man bestenfalls ein „hmm...“ oder „Jaja, so ist das...“ über die Lippen bringt.
Weiter gehen die unfreiwilligen Gespräche mit der Kategorie: „Alles was du kannst, das kann ich viel besser“ Dazu gehören die Leute, die sich durch den Anblick von mehr als zwei Instrumenten verpflichtet fühlen, ihren eigenen musikalischen Werdegang, inklusive aller 48 ½ im Selbststudium erlernter und innerhalb kürzester Zeit bis zur absoluten Perfektion gebrachter Klangerzeugungsmaschinen aufzuzeigen und sehr viel Wert darauf legen, dass man ab und zu mit heruntergezogenen Mundwinkeln und weit aufgerissenen Augen anerkennend nickt und „niiiiiicht schlecht!“ sagt. Dann folgt meist noch eine kurze Sondierung des Equipments der Dölzschner, welches im Vergleich zum eigenen natürlich minderwertig in Qualität, Preis, Farbe und Eigentümer ist.
Von derartigen Konversationen bleibt im Nachhinein nicht mehr als ein Achselzucken und teilweise schallendes Gelächter erzeugendes Amusement übrig. Schlussendlich gibt es noch die Leute, die nach dem dritten Block immer noch irgendwo in der Nähe herumschleichen, in jeder ruhigen Minute (oder auch gern mal beim Spielen) versuchen ein Paar Wortfetzen einzuwerfen und nicht merken, dass das Kommunikationspotenzial bereits nach den ersten dreißig Sekunden voll ausgeschöpft war.
Das Ganze soll natürlich nicht missverstanden werden, denn Die Dölzschner reden sehr sehr gerne mit Leuten und die oben aufgeführten Vertreter bilden nur einen verschwindend geringen Anteil von denen, die um Kontaktaufnahme bemüht sind. Es sollte lediglich mal erwähnt werden.



Zum Feierabend soll noch der Schweißfilm, der sich wie eine zweite Haut auf den Körper legt im Offenburger Hallenbad dem Geruch von Duschbad weichen. Auf einer Wolke aus Geruchsharmonie schweben die von Kopf bis Fuß entkrusteten Dölzschner in die Innenstadt zur Feierei. Diese erreicht ihren Höhepunkt nach einem Hinweis, gegeben durch eine Ortskundige, im „E1“, wo im weiteren Verlauf des Abends einige sehenswerte Schnappschüsse - mit den Dölzschnern mehr oder weniger bekannten Menschen - entstehen.

Trotz später / früher Ankunft am Bus wird der Wecker noch gestellt, denn der bereits vor einigen Stunden angebrochene Sonntag soll ein verkaufsoffener sein. Verkaufsoffene Sonntage sind eine klasse Erfindung. Aus einem den Dölzschnern unbekannten aber mit Sicherheit psychologisch beschriebenen Grund, denken viele Menschen sie müssten unbedingt die Gelegenheit nutzen sich an einem solchen in die City zu begeben.

Nach relativ ausgiebiger Schlummerphase in ihren vier fahrenden Wänden, schälen die drei durchnächtigten Feierkinder ihre schweren Glieder von den Matratzen und begeben sich in die Stadt. Nicht zum Shoppen, sondern zum Spielen. Leider wurden die Matchbox-Autos in der Heimat gelassen und so wird „spielerisch“ Geld verdient.
Während sich der Tag bereits dem Ende zuneigt, bricht man auf nach Freiburg.

Die Dölzschner sind drei Musiker aus Dresden-Dölzschen, die seit dem Jahr 2011 miteinander musizieren. Die Basis der selbst geschriebenen Musik (HT-Phon-Sound) ist das HT-Phon – ein von Ludi selbstgebautes Instrument aus Abflussrohren.

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