Toulon / Bandol 11.-12.11.2013

Mit der Leichtigkeit eines gehbehinderten Rhinozeros schwebt die DüDö über die Inlandschnellstraße. Grobe Richtung: Marseille. Fantastische Landschaften ziehen vorüber, welche aufgrund mangelnder Lichtpräsenz jedoch nur erahnt werden können. Schlät und Stephan haben sich in der Fahrerkabine bereits der Monotonie der Nachtfahrt hingegeben, da ertönt ein nölendes Stimmchen aus dem rückwärtigen Teil der grünen Rennschüssel. Krieger muss pullern. Eine Parkbucht am Rande der Straße bietet die perfekte Möglichkeit. Krieger entleert sich, Stephan wirft erneut den Motor an und dreht den Zündschlüssel auf die zweite Stellung (was dem Einschalten des Abblendlichts dienen sollte). Nichts passiert. Der Bereich vor der DüDö, der auf den Zündschlüssel-Drehvorgang hin eigentlich hell erleuchtet sein müsste, wird lediglich in das semigrelle Standlicht getaucht. Das gehbehinderte Rhinozeros ist also auch noch nahezu erblindet. Krieger schlägt vor nach Gehör zu fahren. Stephan und Schlät versuchen ihm zu erklären, dass das nachts im Wald, mit einem Motor dessen Dezibelzahl an einen startenden Eurofighter heranreicht, großer Unsinn ist. Krieger ist beleidigt. Stephan beginnt die Problematik zu analysieren und die beiden technisch weniger versierten Döllis einzubinden.

-Stephan: „So liebe Freunde, wo liegt denn das Problem?“
-Schlät: „Das Licht ist aus … “
-Krieger: “ … Wir geh’n nach Haus‘ … “
-Krieger und Schlät im Chor: „RABIMMEL RABAMMEL RABUMM!“ *highfive*


Stephan greift sich an den Kopf. Von diesen beiden Beleuchtungsexperten ist also keine große Hilfe zu erwarten. Mit der Taschenlampe im Mund beginnt er die beiden Frontscheinwerfer auseinander zu nehmen, während sich der Rest der Truppe im Bus verkriecht. Was mit der Busbeleuchtung nicht stimmt kommt schnell ans Licht (haha … “ans Licht“ … hihihi). Offenbar haben beide zuständigen Glühbirnen gleichzeitig den Dienst quittiert und müssen nun gewechselt werden, was prinzipiell zwar nicht schlimm ist, Die Dölzschner und vor allem Chefmechaniker Stephan aber angesichts der eher mauen Ersatzteilsituation vor ein nicht unerhebliches Problem stellt. Dazu gesellt sich ein kaputtes Scheinwerferglas, das Stephan in einem unachtsamen Moment aus der Hand gleiten ließ und feststellte, dass die Gravitation, die alte Drecksau, auch in Frankreich überall ihre Griffel im Spiel hat. Mit Frischhaltefolie als Glasersatz und einer Ersatzbirne schiebt sich die DüDö nach einiger Zeit voller Zweifel, Ratlosigkeit und technischer Improvisation nunmehr vorsichtig durch die düstere Landschaft, bis man am Rand eines kleinen Dorfes auf einer freien Fläche einrollt und nach der unterbelichteten Fahrt zum Verschnaufen kommt.

Tageslicht weckt am Tag darauf die tapferen Dölzschner und nach kurzer Sondierung der Umgebung fällt der Blick auf die 50 Meter entfernte Bäckerei, auf deren Aufsteller in großen Lettern: „Baguette – 70 Cent“ geschrieben steht. Frisches französisches Baguette zum Frühstück? Da gab’s schon schlechteres. Stephan hüpft los und die anderen beiden vor Freude im Kreis als er mit einigen Exemplaren der knusprigen Teigware zurückkehrt und der erste Bissen des Ofenwarmen Brotes dem Verdauungstrakt zugeführt wird.

Das bereits angesprochene natürliche Licht, das man tagsüber in weiten Teilen der Erde antrifft, hat den entscheidenden Vorteil, dass man nicht auf künstliche Beleuchtung (z.B. H4-Birnen) angewiesen ist, weshalb es sich im Falle defekter Lichterzeugungsapparaturen empfiehlt im Zeitraum zwischen Morgen und Abend zu reisen. Das haben auch die Dölzschner mit ihrer ausgeprägten, ja geradezu detektivischen Auffassungs- und Kombinationsgabe erkannt, sodass das nächste Ziel, Toulon, so bald wie möglich erreicht werden soll. Los geht’s.


Toulon ist vielleicht eine wunderbare, belebte, sehenswerte Stadt aber schon bei der Ankunft ist den Dölzschnern klar, dass das heute nicht der Fall ist. Auf den Straßen sind nur wenige Menschen zu sehen und das Wetter hatte wahrscheinlich einen harten Tag und hängt jetzt durch wie die Döllis nach dem letzten Clubabend. Der Reiz, den Toulon ausübt liegt irgendwo zwischen Klo putzen und Steuererklärung. Das fehlende Internet des örtlichen McDonalds und überteuerte Cheeseburger (2,20 € das Stück??? Merken die sich noch die Franzacken???) setzt der Langeweile in dieser Demotivationsparade die Krone auf. Einziger Lichtblick in Bezug auf Straßenmusik ist das (wahrscheinlich touristisch bedingte) Begängnis entlang der Uferpromenade. Fehlende Parkmöglichkeiten machen allerdings auch dieses Vorhaben zunichte. Die einfache Besorgung von Frischwasser an der Tankstelle bleibt die einzige positive Erinnerung. Au revoir, Toulon!


Die Sonne ist schon wieder hinter den Horizont gerutscht und es muss ein Schlafplatz her, denn (fast) Blindfahrten, die den immer noch defekten Scheinwerfern geschuldet sind, sollen weitestgehend vermieden werden. Bandol heißt die nächstgelegene Adresse. Dort findet sich entlang der Küstenstraße auch eine Parklücke direkt am Meer. Nach dem Abendessen setzen Mitglied Schlät und Stephan mit Gitarre und Keyboard zu einem Indoor-Jam an, während Krieger sich außerhalb der DüDö mit Kopfhörern in aggressivere Klanggefilde begibt und mit dem deutlich wahrnehmbaren Rauschen des Meeres entschwinden die Döllis einige Zeit später ins Traumland.

Das Rauschen begleitet die Dölzschner auch beim und nach dem Aufstehen am nächsten Tag. Zum Glück, denn fehlendes Rauschen würde entweder auf einen Positionswechsel der Düsseldölle oder auf das Verschwinden des Meers hindeuten. Beides sollte im Zweifelsfall zu denken geben. Das Meer ist aber noch da, die DüDö steht noch am selben Ort und um das Szenario zu perfektionieren hat das Wetter ein breites Grinsen aufgesetzt. Stephan und Krieger schnappen sich ihr Waschzeug (Handtuch, frische Unterwäsche, Waschlappen, Duschbad, Shampoo, Pflegespülung, Conditioner, Beautycase und die edlen Öle aus 8-fach zentrifugiertem Feigenkernextrakt mit dem Aroma von Rosenblüten, die einmal im Jahr von südmongolischen Albino-Jungfrauen handverlesen werden) und begeben sich zur Stranddusche. Nach der Säuberung wird noch der nahegelegene Tennisplatz um Internet angepumpt und kurz darauf sind Die Dölzschner mit ihrem moos-farbenen Maulesel unter dem Hintern wieder auf der Straße.

Die Dölzschner sind drei Musiker aus Dresden-Dölzschen, die seit dem Jahr 2011 miteinander musizieren. Die Basis der selbst geschriebenen Musik (HT-Phon-Sound) ist das HT-Phon – ein von Ludi selbstgebautes Instrument aus Abflussrohren.

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