Valencia 08.-15.12.2013

Meist haben Die Dölzschner keine Ahnung, was sie in der nächsten Stadt erwarten wird. Ok, in Rostock gibt’s die Ostsee, in Köln diesen Dom und in Valencia ... Diesen Fußballclub! Dass die nächste Großstadt nach Barcelona noch viel mehr zu bieten hat, wird ihnen bald klar werden. Doch immer der Reihe nach. Zunächst muss man sich wie immer ein Bild von der Stadt machen und sich orientieren. Dass Touristeninformationen meist weiterhelfen können, ist dem bestens organisierten Trio JuSiLu zwar erst nach den ersten paar Dutzend Städten aufgefallen, doch diesmal wird das rote Informationshäuschen zielstrebig angesteuert. Stadtplan olé! Ob Straßenmusik gestattet ist, weiß allerdings das Rathaus allein. Dorthin wird man auch verwiesen, doch ein echter Dölzschner pfeift auf dieses Wissen und fährt auf Parkplatzsuche.

Neben dem alten Flussbett von Valencia wird man fündig: Die Hauptstraße ist von hunderten Lücken gesäumt und sogar der Mittelstreifen bietet viel Platz. Aber wieso stehen in nahezu jeder freien Lücke dunkelhäutige Männer und winken den Fahrern zu, als wären sie in Seenot? Die Antwort auf diese Frage bleibt unklar, ist ja auch egal, Hauptsache ´ne zentrumsnahe Lücke. Unprofessioneller hätte man zwar nicht eingewiesen werden können, doch eine Brücke zum Zentrum über den trockengelegten Fluss befindet sich direkt hinterm Bus. Schade, dass nur Treppen auf diese führen. Nicht gerade Behinderten- bzw. HT-Phonspieler-, Schlagzeuger-, oder Multiinstrumentalistenfreundlich. Das Leben ist hart und die Beinmuskulatur auch, nachdem sich das Equipment endlich oben befindet. Leider führt am anderen Ende eine genauso hohe Treppe wieder herunter und nach einigen „Och nee, keen Bock auf das Geschleppe“ beschließt man, einfach auf der Brücke zu spielen. Keine schlechte Idee, denn die meisten Polizisten sind in PKWs, auf Motorrädern, Segways oder Pferden unterwegs und mit diesen Fortbewegungsmitteln ist es doch recht kompliziert da hoch zu kommen.
Doch leider kann man die überquerenden Passanten an wenigen Händen abzählen und besonders spendabel sind sie auch nicht, also steigt man nachdem alles wieder eingepackt ist die Treppe zum Stadtzentrum herunter.

Der Weg in die historische Altstadt und somit zur Geldquelle „Touris“ ist länger als gedacht, doch irgendwann steht man an der ersten überfüllten Kreuzung.

„Ganz schön was los hier!“
„Joo, lass ma hier spielen!“
„Schau mal, da stehn zwei Bullen!“
„Ma fragen?“

Schlechteste Idee des Tages. Natürlich ist Straßenkunst überall in Valencia verboten, wer hätte es auch anders erwartet. Das bestätigen auch zwei mit Gitarre und Minischlagzeug bestückte Musiker, mit denen man sich kurz austauscht. Sie wurden gerade von ihrem Standpunkt verscheucht.
Also Kommando zurück. (Gefühlte) Zwanzig schlecht geschaltete Ampelkreuzungen später steht man vor der Fußgängerbrücke und gönnt sich noch n Kippchen vorm Erklimmen der unnötig hohen Steintreppe. Oben angelangt könnte man glatt meinen, es kommen mehr Passanten vorbei als beim ersten Versuch…

„Vielleicht wollen die alle nach Hause und gehen aus der Stadt zum Parkplatz?!“

In Windeseile sind die Klangkörper positioniert, doch irgendwie scheint der Passantenstrom zu versiegen, sobald die ersten Töne erklingen. Da kommt Schlät eine Idee.

Wie wäre es denn mit einem Strategiewechsel? Anstatt eine viertel Stunde mit Auspacken, Aufbauen und Stimmen beschäftigt zu sein, und danach von der Polizei verjagt zu werden, könnte man doch …
Gesagt, getan. Simon bindet sich seine Snare-drum um den Bauch, Ludi schiebt das HT-Phon vor sich her und Justus Trägt Hut und Klarinette. Schon an der ersten (zum Glück schlecht geschalteten) Ampel ist eine Familie vom bloßen Anblick des Plastikinstruments begeistert und das erste Privatkonzert wird angestimmt. Keine Minute später sind die Einnahmen schon höher als die Tageseinnahmen von Castellon. Na also, geht doch! Motiviert und voller Elan setzt man den Weg in die Innenstadt fort und gibt an jeder Stelle, an der sich eine Menschenansammlung zeigt den gleichen Titel zum Besten. Das Stück „Slidy Gliss Jizz“ ist sehr eingängig, ein potentieller Ohrwurm und hängt den weitgereisten Straßenmusikern schon lange zum Hals raus. Dass man es nun in Dauerschleife spielt führt dazu, dass sich Die Dölzschner verfluchen, es komponiert zu haben.

Doch da erblickt man plötzlich den Gitarristen und den Schlagzeuger, die sich vorhin noch auf der Flucht vor der Polizei befanden. Nach einer kurzen englischen Unterhaltung spielt man im Quartett. Und wie. Das Publikum ist von der spontanen Jamsession (für die Omas, denen das hier ausgedruckt wird: Jamsession = Improvisation ohne zurechtgelegtes Konzept) mehr als begeistert und auch die Musiker selbst schätzen die Qualität als sehr gut ein.


Dass dieser Tag noch mit vollen Taschen endet, hätte anfangs niemand für möglich gehalten. Doch eine Frage bleibt: „Wo pennmern heute?“ Alboraya ist die Antwort. Ein paar Kilometer von der Metropole entfernt gönnen sich die Kreativen noch ein Gläschen in der nicht weit entfernten Hafenbar und legen sich nach dem anstrengenden Tag zur Ruhe.

Auch eine nette Bekanntschaft hält der neue Tag bereit: Ein Surflehrer wird auf den Laubfrosch aufmerksam, da er selbst in einem Düsseldorfer wohnt und er empfiehlt den Musikern einen nahegelegenen Stellplatz auf dem es schöner und ruhiger sein soll und fließendes Wasser anliegt. Danke für den Tipp, bis heute Abend!

Doch auch der aktuelle Stellplatz ist kein schlechter, denn einen Katzensprung entfernt befindet sich die Uferpromenade und diese ist voller Spaziergänger. Das bedeutet, dass man vorerst aufs „Frühstück“ verzichtet und mal wieder alle Instrumente auf den glatt polierten Steinen auspackt, aufbaut und stimmt.


Doch irgendwie scheint der Passantenstrom zu versiegen, sobald die ersten Töne erklingen. Die Dölzschner haben ein Deja vu. Nein, richtig, war doch gestern auf der Brücke die gleiche Scheiße! Also wird alles wieder eingepackt und man fährt grimmiger Miene zurück nach Vale, wo man es wie am Vortag angeht.

Die Straßenmusik wird zum Katz und Maus Spiel.
Ca. 10 „Slidy Gliss Jizz“ später befinden sich die Dauerschleifer im Norden der Innenstadt und schauen sich misstrauisch um. Gar keine in Neon gelb gekleideten Schlagstockträger in Sichtweite? Man hält eine Minute auf dem Bürgersteig inne, ein Streifenwagen fährt vorüber und scheint die grauen Rohre nicht als Instrument identifizieren zu können. Schlät und Krieger können ihre – nicht schwer als solche identifizierbare – zum Glück auf Grund ihrer Größe leicht verbergen. Durchatmen, nächste Runde. Das Publikum ist wie immer hellauf begeistert, und da die Katzen außer Sichtweite bleiben, wird sogar ein zweiter Titel „Butterflywalk“ zum Besten gegeben. Das grandiose Finale verklingt, die Stimmung ist super, doch leider beschränkt sich das straßentaugliche Repertoire mit Klarinette bisher auf zwei Stücke. Gerade bläst Justus das symbolische Aufbruchshorn indem er den gut gefüllten Hut in Ludis Sticktasche entleert, als ein junger Mann Kontakt zu den Mäuschen aufnimmt. Er bietet ihnen an, am kommenden Freitag in seinem Shop zu musizieren und da die Luft heute sowieso raus ist, lässt man sich gleich das nahegelegene Modegeschäft zeigen. Ein großes Holzportal führt in den wundervoll eingerichteten Designerladen „Luna Nera“, der zwar nicht besonders groß ist, aber für eine kleine Band genug Platz bietet. So richtig vorstellen, wie die Konzertatmosphäre hier zustande kommen soll, kann man sich noch nicht, doch eine geringe Gage scheint der junge Ladenbesitzer übrig zu haben. Er hätte zwar lieber mit Gras (Cannabis, Marihuana, Hanf) bezahlt, doch leider müssen echte Kröten in die Bandkasse, denn der ersehnte Weihnachtsurlaub in Marokko rückt immer näher.

Der, dessen Name nicht gemerkt wurde, lädt die vom Arbeitstag erschöpften mit Vorfreude auf Freitag sogar noch auf 2 Runden Bier und Tapas in die gegenüberliegende Bar ein und während die knurrenden Bäuche mit Bräu und Baguette gefüllt werden, gesellt sich ein silbern angemalter polnischer Straßenkünstler zu ihnen. Die „Lebende Statue“ die ihre Performance auf dem Bürgersteig nur nach Münzeinwurf in das vor ihr liegende Hütchen vorführt, kann gut Deutsch sprechen und erzählt interessante Ausschnitte ihrer Straßenkünstlerbiographie.

Die nächste Runde geht auf die Döllis, doch einer muss noch fahren, weswegen man es bei 3 Gläschen belässt und den Heimweg antritt. Ab auf den besseren vom Surflehrer empfohlenen Parkplatz! Nach kurzer Fahrt und Suche ist man da.

„Das is jetz ni wahr…“

Direkt neben der Autobahn auf einem von Hunden völlig zugeschissenen Dreckplatz steht ein einziger Wagen, nämlich der Düsseldorfer des Surfers. Wenigstens gibt’s fließendes Wasser. Wo eigentlich? Ach egal, das kann bis morgen warten ...

In den letzten Tagen ist klar geworden, dass die Stimmung beim Musizieren und die damit in direkter Proportionalität stehenden Einnahmen im abendlichen Dämmerlicht am besten sind. Deswegen lässt man den nächsten Tag ruhig angehen. Manch einer würde vermutlich behaupten, der eigentliche Grund dafür sei, dass man am Vorabend stundenlang in der nicht weit entfernten Bar Bierchen getrunken und sich der Welt des Internets hingegeben hat – natürlich ausschließlich um Blogeinträge hoch zu laden .... haha – doch das tut eigentlich auch nichts zur Sache, denn erst am späten Nachmittag loszuziehen stellt sich als sehr gute Entscheidung heraus. Mittlerweile kennt man die belebtesten (und gleichzeitig abgelegenen) Plätze und heute ist sogar die Westerngitarre mit Miniverstärker dabei. Vier Titel werden an unterschiedlichen Orten performt, im Hut landen große und kleine Münzen und irgendwann steht man an einer Art Gasse die von vielen Menschen begangen ist, auf der sich jedoch kein einziger „Bulle“ (ja, so wird der Freund und Helfer auch teilweise genannt) blicken lässt. Fetzt! Die vier Titel werden nach einer kurzen Pause ein zweites Mal gespielt, das Publikum ist entspannt, interessiert und offen, doch auch vier Stücke sind für den Dölzschner Geschmack nicht abwechslungsreich genug. Wie praktisch, dass auf einer Steintreppe am Gebäude gegenüber ein junger Mann mit Gitarre sitzt. Kurz nachdem Justus den Zuschauern erklärt hat, dass das Repertoire nur aufgrund der fleißigen Bullen so begrenzt ist fragt er den Gitarristen ob er nicht Lust habe mit einer kleinen Improvisation den Sound zu verdichten und mehr Farbe ins Programm zu bringen. Leider hat er keine Lust oder ist von der Qualität der aufgeführten Lieder eingeschüchtert, doch ein anderer langhaariger Hippieblondschopf im Alter der Döllis der ebenfalls eine Gitarre dabei hat ergreift seine Chance, stellt sich kurz als Johannes vor (kommt aus Deutschland) und schon wird losgerockt. Die Fingerfertigkeit und Herkunft reichen zwar nicht aus um Mitglied bei den Dölzschnern zu werden doch Spaß hat es gemacht und Johannes freut sich auch über die paar Mitleidskröten, die ihm die Straßenmusikprofis vermachen.
Die Finger, Arme, Lippen und sämtliche andere zum Musikmachen benötigten Körperteile tun weh, also zündet man sich ein Zigarettchen an und kommt ins plaudern. Johannes kommt aus Leipzig und reist – ebenfalls zum großen Teil durch seine Straßenmusik finanziert – bisher durch Europa, hat allerdings große Pläne für den weiteren Verlauf seiner (Welt-)Reise.

„Wo pennst du eigentlich?“, fragt man den Leipziger.

„Zur Zeit in ´nem Squadhouse keine Laufminute vom Meer entfernt!“

„Und sonst?“

„Hier und da ...Was sich so ergibt“

Aus großer Neugierde entschließen sich Die Dölzschner ihn trotz seiner leicht anstrengenden Art bei seiner Bleibe vorbeizufahren und sich das Ganze mal anzuschauen.

Für alle die nicht wissen, worum es sich bei einem Squadhouse handelt: Ein Squadhouse ist ein einst leerstehendes Haus, welches von Menschen (meist jungen Hippies) okkupiert wird und von jedermann, der dem Klientel entspricht sein Heim genannt werden kann.
Krieger Schlät und Stephan sind bislang noch nicht in den Genuss gekommen, sich ein solches anzuschauen, sind dementsprechend neugierig und irgendwie betrachtet man sich selbst aufgrund des neuen Lebensstils seit dem 5. August auch ein bisschen als Hippie. Außerdem haben sie keine Lust wieder Kilometerweit auf den Autobahnstinkerparkplatz zu fahren und laut Johannes soll es in der Nähe des Squadhouses auch einen kostenlosen Parkplatz geben auf dem Rumänische, Deutsche und Französische Reisende mit ihren Wohnmobilen stehen.

Die Suche nach der richtigen Adresse stellt sich als komplizierter heraus als erwartet und Johannes nimmt die Worte „Ich lotse euch, weiß genau wo´s langgeht!“ schnell zurück, da er beim schwarz Straßenbahnfahren oder laufen wenig auf die Verkehrsführung und Einbahnstraßen geachtet hat.

Letztendlich rollt die müde Tuckerbude gegen 02:00 Uhr an einem Düsseldorfer, einem alten Wo-mo, einem LKW und diversen anderen Fahrzeugen vorbei, auf dem Pennplatz ein. Licht brennt keins, doch Johannes klopft gegen den LKW und kurz darauf öffnet sich Geräuschvoll die elektrische Laderampe und ein Schwall würzig riechender Tabakqualm schlägt in die kalte Nachtluft. Mehr als einen Ofen, Regale, viel Kram und ca. eine Hand voll Gestalten kann man im dunklen Licht einer einzigen schwachen LED-Lampe nicht erkennen. Johannes stellt die Neuankömmlinge kurz vor und dann heißt es „schnell rein“ denn der riesige Ein-Raum-Camper kühle schnell aus. Klar … wenn die Tür aus der kompletten Heckwand besteht … Macht Sinn. Einer spielt Gitarre im Bottle-neck-Style, die anderen hängen in Matratzen, Sofas und Kissen auf zwei Etagen und kiffen sich die Birne zu. Die Döllis hingegen machen sich eine Gute Nacht Molle auf, unterhalten sich noch ein wenig mit denen, die noch dazu im Stande sind und verabschieden sich bald, denn sie müssen am nächsten Tag wieder fit sein.

Am nächsten Tag lernt man dann alle im Tageslicht kennen. Der Deutsche im Düsseldorfer ist Ampeljongleur, die Franzosen Straßenmusiker und wie die Rumänen ihr Spritgeld verdienen bleibt ein Rätsel. Fakt ist, dass alle so gut wie gar kein Geld für Lebensmittel ausgeben wollen sondern lieber „recyclen“ gehen, das heißt kurz nach Ladenschluss zu Lebensmittelgeschäften gehen und dort nach dem fragen was normalerweise weggeworfen wird und ihr Geld dann für Drogen auszugeben.
Jeder wie er will.

Erinnert ihr euch eigentlich noch an die Rektalprobleme der Düsseldölle?
Richtig, das defekte Heckschloss wird immer noch vom Fahrradschloss ersetzt. Und da es finanziell grad ni so digge läuft wie erwünscht macht sich Ludi daran, es in der Mittagssonne auseinanderzunehmen, zu reinigen, zu fetten und siehe an: Nachdem alles wieder zusammen gefriemelt ist funktioniert der Schließmechanismus wunderbar. Ab jetzt ist Zwennia-Yvonne wieder durch ihr Fahrradschloss gesichert.

Nach dem Essen und einem schönen Bad im Meer – inklusive Stranddusche – zeigt Johannes den Neuen das Squadhouse. Zwei Blocks von dem Parkplatz entfernt befindet es sich in einem 2-stöckigen Reihenhaus hinter einer mit Clowns bemalten Wand auf der „Los Payo-Asos“ – ein spanisches Wortspiel – geschrieben steht.

Auf ein Klopfzeichen hin öffnet sich die Tür und man tritt ein. Eine relativ verwarloste aber dennoch gemütlich eingerichtete Wohnung in der ein Loch mit einer Glasplatte in der Decke für Licht sorgt und eine kleine Grasplantage das Dach schmückt ist zur Zeit das Heim von einigen Hippies. Manche sind schon seit Jahren da, manche seit Monaten und Johannes seit ein paar Wochen. Nachdem Die Dölzschner ihre Geschichte erzählt haben, werden sie zur Jamsession eingeladen, die am gleichen Abend stattfinden soll und man zieht gespannt auf den Musikstil der Alternativlinge zum Straßenmusizieren ins Zentrum. Dort werden sie von einem Spanier wiedererkannt den Justus vor Beginn der Tour in Dresden an der Elbe getroffen, dort mit ihm Gitarrenmusik gemacht und ihn zu dem Auftaktkonzert der Europatour eingeladen hat, zu dem dieser auch mit seinen Freunden kam. Welch Lustiger Zufall!

Gegen 00:00 Uhr treffen sie bei der Jamsession ein und können ihren Ohren kaum trauen. Größtenteils schauerliches Geschrammel wird (z.B. mit einer 5-Saitigen Gitarre die 2 Wirbel zu wenig hat) dargeboten und das Erdgeschoss welches aus nur einem großen Raum besteht ist voll mit Bier trinkenden Jugendlichen. Irgendwann greifen auch die Dölzschner zu dortigen Instrumenten (die eigenen sollen heute im Bus bleiben) und die Anwesenden „Squaddies“ fordern sie sofort auf am Folgetag nach dem „Kabarettabend“ der für den gleichen Tag geplant ist, ein Konzert zu spielen. Da sagen sie natürlich nicht nein, denn in einem solchen Ambiente sind sie noch nie aufgetreten. Nach einem Abend voller schräger Musik und Bekanntschaften betten sich die Döllis zur Ruhe, denn man will für den Auftritt im Luna Nera fit sein.

Auf der Straße machen die Dresdner Stadtmusikanten Werbung für sich selbst. Nach jedem gespielten Titel lädt man zum abendlichen Konzert ein und zum Schluss stehen die Dölzschner neben dem Laden und locken die Passanten mit ihren süßen Klängen ins Innere des Kleidungsgeschäfts (für den Stil findet man die treffende Bezeichnung „Edel-Hippie-Style“).

Sehr gut besucht war das Konzert zwar nicht, doch der Hut ist gut gefüllt, der Besitzer des Shops ist glücklich, hinterlässt ebenfalls eine kleine Gage und ein Mittzwanziger im Publikum ist sogar so begeistert, dass er die Dölzschner auf ein paar Bier einlädt und ihnen zwei Hauseingänge weiter einen Burger spendiert. Ignacio – „Nacho“ ist ein sympathischer Typ und sehr interessiert am Squadhouse von dem die Dölzschner erzählt haben, dass man gemeinsam entscheidet ihn mit dort hin zu nehmen und den Abend gemeinsam zu verbringen. Die Fahrt ist sehr lustig (Nacho schreit ein ums andere mal grinsend „Oh my god, we´re gonna die!!!“, doch man kommt heil am Squadhouse an und tritt ein.
Drinnen erwartet die Vier eine Szenerie, die sie sich am Vorabend nicht hätten vorstellen können. Die Squaddies mögen vielleicht musikalisch nicht die talentiertesten sein, doch was sämtliche andere Kunst angeht sind sie faszinierend.

Die puren Backsteinwände die am Vorabend noch ein kaltes Gefühl vermittelten sind heute mit großen bunten Tüchern geschmückt, an denen venezianische Masken hängen, von der Decke hängt ein langes rotes Tuch wie man es aus dem Zirkus kennt und es wird stimmungsvolle Musik abgespielt. Die Leute sind verkleidet, es ist eine kleine Bühne aufgebaut und im Gegensatz zum Vorabend sind alle Anwesenden still und schauen wie gebannt auf die Show. Auch ohne Spanisch zu verstehen ist das einstudierte Theaterstück sehr witzig, die Pantomime zum brüllen, die Jongleur Kunst absolut beeindruckend – den Dölzschnern und Nacho bleibt ein ums andere Mal der Mund offen stehen – und man fragt sich ob es überhaupt passend ist, nach diesem genialen Programm noch Livemusik zu machen.

Doch es kommt noch besser: zu fortgeschrittener Stund, nach Flötenmusik, Tanz und anderen sehenswerten Einlagen schwingt sich tatsächlich ein junger Kerl an das lange rote Zirkustuch, welches von der Decke hängt. Und das was man normalerweise nur aus dem Zirkus kennt, sehen die Dölzschner nun tatsächlich in jenem Squadhouse. Einfach genial. Zum Schluss wird als letzter Auftritt noch sämtliches Licht gelöscht und ein Jongleur balanciert 2 leuchtende Glaskugeln über seinen ganzen Körper und hypnotisiert die Zuschauer mit den sich ästhetisch bewegenden und scheinbar schwebenden Bällen. Man fühlt sich wie in einem Wanderzirkus im Mittelalter, ist plötzlich völlig aus der Großstadt herausgerissen und in einer komplett anderen Welt.


Als die Show beendet und das Licht wieder eingeschaltet ist, merken die drei perplexen Neulinge, dass die Leute auf etwas zu warten scheinen und schließlich kommt eine Squadbewohnerin auf sie zu und fragt sie ob sie nicht die Instrumente holen wollen. Zurückgerissen in die Realität bejahen sie natürlich und bringen das Equipment in die Bude.

Das folgende Konzert bringt zwar keine Kröten, ist allerdings eins der stimmungsvollsten ihrer Bandgeschichte. Die Hippies tanzen, klatschen, kreischen und schreien und auch Nacho genießt diesen Auftritt noch mehr als den zuvor im Luna Nera. Ausnahmslos alle sind begeistert, und im Anschluss an dieses einzigartige Konzert begießt man sich breit grinsend mit günstigem spanischen Bräu.


„Wenn´s am schönsten ist, sollte man aufhören!“, denken sich die Dölzschner, und da sowieso keiner mehr Lust auf das valencianer Katz und Maus Spiel hat, entscheidet man, dass dies die letzte Nacht in Valencia war. Ausserdem ist für den nächsten Tag ein Treffen mit Freunden von Ludis Familie in Altea ausgemacht. Das nächste Ziel ist also klar und die Düsseldölle setzt sich wieder in Bewegung.

Die Dölzschner sind drei Musiker aus Dresden-Dölzschen, die seit dem Jahr 2011 miteinander musizieren. Die Basis der selbst geschriebenen Musik (HT-Phon-Sound) ist das HT-Phon – ein von Ludi selbstgebautes Instrument aus Abflussrohren.

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