14.-27.8.13 – Berlin / Potsdam

Der Weg nach Berlin führt das Dreiergespann vorbei an einer verlassenen Heilstätte, bei der sie innehalten und den bizarren Anblick der majestätisch anmutenden Reste vergangener Architektur inmitten üppigen Pflanzenbewuchses auf sich wirken lassen. Bevor der nächste Nächtigungsplatz angesteuert wird, muss noch Frischwasser her. Leider lässt sich selbiges nachts in der Pampa nur sehr schwer organisieren. Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen und so sieht man (oder auch nicht) kurz darauf drei Gestalten mit einem Wasserschlauch über das nächstgelegene Gräberfeld huschen und den vor der auf dem Grundstück befindlichen Kapelle geparkten Bus mit frisch gezapftem Friedhofswasser befüllen. Mit Wasser im Tank und nach längerer Suche im Dunkeln ist auch ein geeigneter Schlafplatz direkt an einem See in der Nähe von Berlin gefunden.

Die Düsseldölle direkt am SeeSeeidylle bei Berlin

Der nächste Tag wird standesgemäß mit einem Bad im fünf Meter entfernten Gewässer eingeleutet, bevor die Düsseldölle in eine Spezialwerkstatt zur allgemeinen Durchsicht geschickt wird. Die Meinung des anwesenden Fachmanns zum allgemeinen Zustand und den nötigen Reparaturen (“Schönes Auto, ABER...) führen dazu, dass sich der Münzgeldbeutel auf dem Weg nach Pankow schon deutlich leichter anfühlt. Ein Feldweg am Rande der Straße lädt zur Krisensitzung und zur Freiluft-Session ein.

Freiluftsession auf dem Feld
Da diese Art von Beschäftigung zwar schön, aber wenig ertragreich ist, schauen sich Die Dölzschner in den nächsten Tagen einige Plätze an, die sich zum Musizieren anbieten. Den Anfang macht Spandau. Die Reaktionen der Passanten sind beim Erklingen der ersten Töne noch recht verhalten aber schon bald bildet sich auch hier eine kleine Traube begeisterungsfähiger Musikliebhaber. Und wie es der Zufall will, sind auch Mitveranstalter eines Straßenfestes anwesend, welches am folgenden Tag, am gleichen Platz stattfinden soll und so kommt das „Trio Infernale“ zu einem weiteren Auftritt. Sodenn finden sich Die Dölzschner am Tag darauf auf einer kleinen aber feinen Bühne in der Spandauer Fußgängerzone wieder und geben ein ums andere Mal ihr Programm zum Besten.

Einen schönen Beitrag über unserern Auftritt in Spandau gibt es hier: 

http://www.schnodderschnute.de/hinz-kunst-wir-ham-uns-koestlich-amesuert/


Zwar erschöpft, aber dennoch durstig zieht es sie am Abend desselben Tages ins Berliner Nachtleben. Ein Spätshop mitsamt äußerst kommunikativem Verkäufer ersetzt zwar keinen Club aber die Getränkeauswahl mundet bei den milden Temperaturen auch am Stehtisch, an dem neben der Wahl des nächsten Biers auch intensiv neue vom Ladeninhaber initiierte perkussive Spielarten diskutiert, ausprobiert und die denkbar mäßig vorhandenen Türkischkenntnisse verbessert werden.
Die Wahl der nächsten Location fällt auf den Berliner Mauerpark - ein weitläufiges Gelände auf dem sich an Wochenenden etliche junge und alte Leute, sowie zahlreiche Straßenmusiker tummeln. Da dürfen die Dresdner Vertreter natürlich nicht fehlen. Das Laufpublikum findet nicht nur Freude an der Musik, sondern hält auch einige Überraschungen parat, denn zum Erstaunen aller Beteiligten trifft man auch hier auf Freunde aus der Dölzschner Heimat. An dieser Stelle einen herzlichen Gruß an Resi =). Und selbst Andy Francis, ein weit hergereister Posaunist aus den USA, verweilt für ein kleines Zusammenspiel mit den Dölzschnern, bis der einsetzende Regen zum Unmut der Interpreten dem Treiben ein jähes Ende bereitet.

An den folgenden Tagen erhält das treue Gefährt der Dölzschner eine recht preisintensive Verjüngungskur. In dieser Zeit quartieren sich die nun Buslosen beim Papo von Mitglied Krieger ein und während Ludi seine Zeit in der Werkstatt verbringt und regelmäßig telefonisch Bericht erstattet, geben sich die restlichen zwei Drittel der wunderbaren Welt der Internetvideos hin und hoffen auf die baldige Wiederkehr ihres Transportmittels.

 

Diese trifft mit erheblicher Verzögerung und nicht unwesentlichem (weil zuvor deutlich niedriger kalkuliertem) Kostenmehraufwand ein. Ein wenig Trost spendet der „Hilfsgütertransport“ von Ludis Bruder Christoph, der fein säuberlich in Tüten verpacktes Beschäftigungs- und Bekleidungsmaterial, dass bei den Zurückgebliebenen gelassen wurde, zur zeitweiligen Wohnadresse in Pankow bringt. Der Reparaturpreis liegt zwar noch schwer im Magen, aber was ein echter Dölzschner ist, lässt sich von derlei Lappalien natürlich nicht aus der Bahn werfen. Da wird lieber gleich der nächste Straßengig angepeilt und ausgeführt - in diesem Fall in Potsdam.
Für einen Straßenmusiker ist es nicht immer so leicht wie man vielleicht meinen könnte, einen geeigneten Ort zum Spielen zu finden. Es gilt Faktoren wie zum Beispiel den Ort an sich (Straßenmusik ist nicht überall gestattet/geduldet), die Zuschauerfrequenz (enge Gassen = mehr Publikum auf weniger Raum) und die umliegenden und somit möglicherweise belästigten Anwohner und Cafés zu beachten. Oder man pfeift drauf und stellt sich in Potsdam auf einen von Restaurants und Lokalen umringten Platz und hofft das Beste.


Genau das denken sich auch drei Herren aus Dresden und stehen kurz darauf mit Klarinette und Saiten bzw. Badelatschen bzw. Sticks im Anschlag - hochmotiviert, im Sonnenschein - vor dem kleinen Brandenburger Tor und schließen Wetten ab, wie lange das Ordnungsamt brauchen wird um tätig zu werden. Doch es kommt alles anders. Auch hier finden sich bald Zuhörer, die Cafés bleiben gefüllt und das Ordnungsamt glänzt mit Abwesenheit. Selbst ein weiterer Auftritt springt heraus und die Begegnung mit einer gebürtigen Dölzschnerin rundet einen durchaus gelungenen Tag ab.


Ins Berliner Zentrum zieht es Die Dölzschner etwa 24 Stunden später. Auf dem Potsdamer Platz, zwischen U-Bahn-Terminal und den Resten der Berliner-Mauer ist die Akustik zwar mäßig, aber die anwesende Zuhörerschaft, sowie ein weiterer Besuch aus der Heimat lassen auch hier keine schlechte Stimmung aufkommen.Das eigentliche Highlight dieses Tages findet allerdings einige Stunden später bei „Bellas Bistro“ statt. Hierzu eine kurze Erläuterung:

Vor etwa einem Jahr, als Die Dölzschner noch auf der intensiven Suche nach einem fahrbaren Untersatz waren (wobei keiner davon den nötigen Platz bot), verschlug es sie auch nach Berlin. Aufgrund der mangelnden Ortskenntnis und der damit verbundenen Ratlosigkeit in Bezug auf die Abendplanung, auch angesichts der fortgeschrittenen Stunde, machten sie sich auf eigene Faust auf die Suche nach einer ansprechenden Lokalität. Unweit ihres Aufenthaltsortes stießen sie auf ein kleines aber feines (noch geöffnetes) Bistro, das von einem lebensfrohen und unvergleichlich sympathischen Ehepaar geführt wird. „Bellas Bistro“. Auch anwesend: drei nette polnische Herren (wie sich herausstellen sollte die Freitags-Stammkundschaft) - zu denen dank geringer Polnischkenntnisse von Justus Kontakt hergestellt wurde und welchen nach ein paar Gläsern Bier die Tourvorhaben im Detail erläutert wurden. Zu diesem Zeitpunkt noch milde belächelt, versprachen Die Dölzschner im nächsten Jahr wiederzukommen um eine Kostprobe ihrer Musik abzuliefern. So viel zum Hintergrund.

So stehen Die Dölzschner mit ihrem Bus am Potsdamer Platz. Der Tag stimmt (Freitag). Das Wetter auch. Der Wille ist da. Die Ortskenntnis befindet sich allerdings noch auf dem gleichen Niveau. Nach langem Hin und Her beschließen sie, etwas frustriert, den Heimweg anzutreten.
Was dann geschieht grenzt an ein Wunder. Ludi scheint in der nächtlichen Berliner Innenstadt etwas bemerkt zu haben (Warte ma! Warte ma! Warte ma! Irgendwoher kenn ich die Straße!) ... eine merkwürdige Vertrautheit spiegelt sich in seinen Augen wieder. Keine Minute später steht der grüne Bus vor „Bellas Bistro“. Nach einer kurzen Gedächtnisauffrischung bei den Betreibern und den glücklicherweise ebenfalls anwesenden Polen, tritt die eine oder andere Kinnlade den Weg in Richtung des Berliner Pflasters an. Selbstverständlich wird das Wort gehalten und die Außenbestuhlung um das verfügbare Instrumentarium erweitert. Auch einige Anwohner finden Interesse an der abendlichen Konzerteinlage und schauen neugierig von ihren Balkonen. Die anschließende Versorgung mit Rührei und Bier wird durch die Anwesenden gesichert und drei Dresdner beenden einen weiteren Tag mit einem fetten Grinsen auf den Lippen.


Da der Mauerpark beim ersten Beschallungsversuch mit Nieselregen antwortete, stehen Die Dölzschner beim anstehenden Mauerpark-Sommerfest erneut im Grünen. Leider fühlen sie sich angesichts der akustischen Penetration durch die Hauptbühne, wie die Blockflöte beim Metallicakonzert. Also doch runter vom Gelände und zum nahegelegenen Straßenfest getigert. Dort wird seitens des Sicherheitsdienstes leider auch wegen fehlender Genehmigungen rumgemosert. Alles kein Problem! Dann stellt man sich halt zwei Meter daneben. Damit haben Die Dölzschner zwar zum ersten Mal mehr Zeit damit verbracht ihr Equipment durch die Landschaft zu schieben als zu spielen aber immerhin etwas. Der Frust über den Aufwand wiegt nicht schwer, denn am selben Abend steht der in Potsdam organisierte Auftritt bei "Flöhe im Kiez" an. Durch die Nacht geht es zu einem ca. 100m langen, abgesperrten Stück Straße, auf dem sich einige Potsdamer an gemütlichen Tischen und Ständen zusammengefunden haben. Die Atmosphäre ist entspannt und familiär. Genau das richtige! Auf der kleinen Bühne am Ende des Straßenabschnitts spielen Die Dölzschner ihr Programm und auch hier trifft man auf offene Ohren und (zur Freude der Protagonisten) Freibier.

Die „Flöhe im Kiez“ sind von einer sehr freundlichen Natur und sowohl Veranstalter, als auch Teilnehmer legen eine ausgesprochene Herzlichkeit an den Tag. Ein durchaus gelungener Abschluss der Reise in die Hauptstadt und deren Umland. Nächste Station: Rostock!

Die Dölzschner are three musicians from Dresden-Dölzschen (Germany) making music together since 2011. The basis of the self-written music (HT- Phon sound) is the „HT-Phon“ – an homemade instrument that Ludi build from water pipes.

The new album „Volles Rohr“ (© 2014) is now available!