13.-20.9.13 Ede / Arnhem / Nijmegen

Wenn schon nicht in der Hauptstadt, so muss es doch an anderer Stelle möglich sein, den Holländern etwas Dölzschner Musikkultur näher zu bringen. Da in absehbarer Zeit sowieso noch ein Auftritt in Dortmund ansteht, wird die Landkarte nach Niederländischen Orten durchforstet, die sich auf dem Weg in den Ruhrpott zum Beschallen anbieten. Als erstes auf der Liste: „Ede", wo Die Dölzschner am frühen Abend einrollen und sich unweit des Zentrums auf einem Waldparkplatz niederlassen, auf dem sich noch etwas zwielichtiges Jungvolk tummelt, welches sich jedoch kaum für die drei unbekannten in ihrem bedruckten Bus interessiert.

Die Nacht bringt reichlich Wasser von oben. Der folgende Morgen bringt reichlich Wasser aus dem Frischwassertank, welches zur allgemeinen Beduschung genutzt wird. Hierzu eine kurze Erläuterung: Wie einige von euch wahrscheinlich wissen, ist der mit normalen Hygienevorstellungen versehene Mensch bestrebt, sich ab und an aller auf der Haut befindlichen Alltagsrückstände zu entledigen. Dafür nutzt er im Normalfall eine Wanne bzw. ein Becken oder eben eine künstliche Beregnungsanlage - im Volksmund "Dusche" genannt. Eine solche befindet sich auch im hinteren Teil der Düsseldölle. Allerdings ist diese nicht mit den in den haushaltsüblichen Modellen vorhanden Gimmicks, wie z.B. Durchlauferhitzer, Wasserstrahlintensitätsregler oder in Abhängigkeit von der Wassertemperatur in unterschiedlichen Farben beleuchtetem Duschkopf ausgestattet. Letzteres wäre auch wenig sinnvoll, da dieser auf Grund des zwar vorhandenen aber leider defekten Warmwassserboilers durchgehend in einem satten Blau erstrahlen würde. Das Wasser wird aus dem Tank in den Duschkopf gepumpt – Fertsch is der Lack! Ein wenig Luxus darf jedoch sein. Zur Vermeidung von Dreckaufnahme über die Füße wird sich beim Abbrausen auf einen umgedrehten Kasten zuvor konsumierten oder zumindest vorher ausgeräumten Bräus gestellt. Zwischen die aufgeklappten Hintertüren wird jeweils vor und hinter dem Duschenden ein Vorhang gespannt, welcher je nach Windstärke und Ausprägung der exhibitionistischen Vorlieben, mit mehr oder weniger Gewebeband fixiert wird. Man steht also zwischen zwei lose festgeklebten Stücken Stoff auf einem Bierkasten und lässt sich mitten in der freien Wildbahn, oder einer Abgeschiedenen Seitengasse das eisige Wasser den Rücken hinunter laufen. Das Camperleben ist schön.

 

Am Rande von Ede machen sich Die Dölzschner leicht fröstelnd aber immerhin gewaschen auf den Weg ins Zentrum des kleinen Ortes. Ein kurzer Rundgang durch die Innenstadt offenbart die üblichen Auftrittsorte. Die Fußgängerzone mit ihren Läden füllen zwar keine Menschenmassen, aber die Alternativen sind recht überschaubar. Darüber hinaus wird den drei Spielwütigen die Bar "Railroad" empfohlen, welche ebenfalls aufgesucht wird. Der Besitzer bestätigt, dass Livemusik erwünscht ist und bietet den darauf folgenden Tag an. Zuerst soll die Kasse aber auf der Straße gefüllt werden. Den Edenern gefällt's.

Nach getaner Arbeit und schon im Abbau begriffen kommt man in Kontakt mit zwei Vertretern der lokalen Polizei, welche (äußerst freundlich) zu verstehen geben, das zum legalen Straßenmusizieren eine Lizenz benötigt wird, die wiederum beim Rathaus zu bekommen sei. Der erste Punkt der morgigen Tagesordnung steht somit fest.

Selbiger wird nach einer weiteren Nacht im Wald und nach dem erneut unverhältnismäßig frühen Erschallen des Weckers in Angriff genommen. Das Personal des Edener Rathauses stellt sich allerdings stur. Es werden keine Lizenzen mehr vergeben, die Straßenmusik fällt für Ede also flach. Die Stimmung ist etwas gedrückt. Nichtsdestotrotz soll der Tag noch mit Inhalt gefüllt werden, welcher unter anderem im Auffüllen des Frischwassertanks besteht. Hier vermag ein Industriegebiet Abhilfe zu schaffen, sodass die Düsseldölle vor einem in den Niederlanden - erfreulich häufig vorkommenden - "Karwei"-Baumarkt mit Leitungswasser versorgt wird, während die drei mittlerweile hungrigen Dölzschner parallel dazu über dem Gasherd einen Mittagsschmaus zubereiten und direkt auf dem Gelände verspeisen.

Obwohl dem angebrochenen Tag musikalisch gesehen noch nichts abzugewinnen war ist man zuversichtlich, denn für den Abend kündigt sich ein gemütlicher kleiner Gig im „Railroad“ an. Dort finden sich die Dölzschner zu fortgeschrittener Stunde ein und stellen anhand der Besucherzahl fest, dass es wahrscheinlich lohnender wäre eine noch fortgeschrittenere Stunde abzuwarten. Die Zeit vergeht, doch das Railroad füllt sich (im Gegensatz zu sämtlichen umliegenden Lokalitäten) nicht merklich. Egal, „The show must go on”! Und in diesem Fall muss sie sogar erstmal anfangen. Gegen 23.30 Uhr ist das Bandzubehör unter dem überdachten Außenbereich der Kneipe aufgebaut. So kommen auch die Gäste anderer Lokale in den Genuss der Dölzschner Klangkunst. Es liegt auf der Hand, dass spontane Auftritte in der Holländischen Provinz keine besonders üppige Gage mit sich bringen, aber die Kasse / Klarinettentasche wird von der Zuhörerschaft zufriedenstellend gefüllt.

Nach einem kurzen Afterwork-Plausch mit den Trinkenden und Betrunkenen verzieht man sich zum Nächtigen wieder in den Wald. Mit dem Wissen, dass auf den Edener Gassen kein Geld mehr zu holen ist oder durch Genehmigungszwang zumindest in weite Ferne rückt, wollen sich Die Dölzschner in den nächsten Ort begeben. Gleich nachdem der Frischwassertank erneut gefüllt wurde. – Am Baumarkt.

-"Mensch, wo war der noch gleich?“
-“Na wir sind doch letztens hier rechts.“
-“Nee das war ´ne Kreuzung weiter.“
-“Aber hier is´ doch dieses Schild!“
-“Da sind wir aber geradeaus gefahren“
-“Also isses ja doch ´ne Kreuzung hinter uns.“
-“Ja, hab ich doch gesagt!“
-“Nee du hast gesagt, ne Kreuzung weiter.“
-“Da kamen wir aber von der anderen Richtung!“
-“Achso...“
-“Wo sind wir eigentlich?“
-“Keine Ahnung, lass mal hier parken und essen.“

Irgendwo auf einem vermeintlichen Rastplatz leeren Die Dölzschner ihren Kühlschrank auf den nächstgelegenen Holztisch inklusive zugehöriger Bänke und beginnen eifrig mit der Nahrungsaufnahme. Wie sich herausstellt ist der gewählte Ort so etwas wie das Mekka der Edener Hundebesitzer, denn bald ist der Platz mit Vierbeinern überlaufen. Hunde sind im Grunde sehr liebe Tiere, aber es wird sicherlich niemanden wundern, dass man es durchaus als störend empfinden kann, wenn sie sich im Dutzend über die Wiese jagen, auf der man versucht zu essen. Darum bemüht, Ruhe zu bewahren bringen die drei Hunde(-nicht-mehr-ganz-so)-liebhaber ihr Mahl zu Ende und das restliche Essen in Sicherheit. Etwas Gutes hat die ganze Sache allerdings, denn man vermag mit einigen älteren Damen den Weg zum Baumarkt zu erörtern und selbigen auch kurze Zeit später zu finden.

„Arnhem“ soll die nächste Anlaufstation sein, wo man nach ca. 20 Km eintrudelt. Bereits nach Sonnenuntergang, aber gewillt noch etwas Musik an den Mann / die Frau zu bringen und in der Hoffnung, dass sich wieder eine bespielbare Bar / Kneipe / Club finden lässt, wird zunächst das Stadtzentrum angesteuert. Bald wird jedoch klar, dass sich das Interesse an spontanen Liveacts sehr in Grenzen hält. Mit anderen Worten: Da geht nüscht! Dann also doch zum Spätshop und zurück zum Bus ... und nochmal zum Spätshop.

Am nächsten Morgen (ja, „Morgen“!) macht sich Mitglied Krieger auf die Pirsch, um vielleicht doch noch eine Möglichkeit zum Indoorauftritt zu finden. Mit mäßigem Erfolg. Na dann halt erstmal Körperpflege! Die Dusche am Heck der Düsseldölle erfüllt zwar ihren Zweck, ist aber in bewohnten Gebieten ein ziemlich seltsamer Anblick → Schwimmbad! Lediglich 1 ½ Stunden und mindestens fünf befragte Passanten sowie Tankstellenwärter später ist ein solches aufgespürt. Der Whirlpool ist leider etwas zu kalt, weshalb das Bad im (mittlerweile auf sämtliche Bereiche des alltäglichen Lebens anwendbare) DRR nur 8 von 10 möglichen Fladenbroten erhält.

Duftend wie eine Tulpenwiese an einem Frühlingsmorgen bewegen sich die Döllis fahrenderweise wieder in die Arnhemer Innenstadt zum fröhlich-fruchtigen Spiel. Dummerweise ist mal wieder Sonntag und da ist die Zuschauerzahl (besonders auf den Straßen kleinerer Städte) relativ gering. Versuchen kann man es trotzdem. Eine gemütliche Seitengasse bildet zumindest einen würdigen Rahmen für einen Straßenauftritt und nach einer kleinen Einspielphase findet sich auch so mancher Zuhörer. Das eigentliche Highlight sind allerdings die überwiegend Deutschen Studenten, die Rund um den Auftrittsort ihre Wohnungen haben und Die Dölzschner vom Fenster aus mit der Violine begleiten, fotografieren und so manche Münze durch Nutzung der Gravitationskräfte auf das Niveau der Dölzschner befördern. So hält auch diese, im Vorfeld nicht besonders vielversprechende, Performance einige schöne Momente bereit. Nicht zuletzt, weil ein älterer Herr mit seiner rauen Stimme in das Lied „Butterflywalk“ einstimmt und diesem so eine interessante neue Note verleiht.

Einen kleinen Eindruck von diesem Auftritt könnt Ihr in unserer Fotogallerie durch die Fotos von Michiel Bijl bekommen. http://diedoelzschner.de/fotos/category/4-europatour-arnhem-niederlande

Zufrieden wird des Abends zuerst wieder der Spätshop und danach der Bus aufgesucht. Neue Woche, Neues Glück. Die am Vortag quasi leergefegten Straßen sind zur Erleichterung des Dresdner Volksbelustigungstrios gut begangen. Was daraufhin folgt ist nicht allzu schwer zu erraten. Straßenmusik! … Und der Weg zur vorerst letzten Holländischen Station der Reise, Nijmegen.

Der Aufenthalt dort lässt sich in ein paar Worten zusammenfassen: Ein kleiner Auftritt auf der Straße (beendet durch Regen), ein sehr cooler Auftritt auf der Straße auf einem von „Tribünen“ umringten Platz (beendet durch Regen), Suche nach Internet im McDonalds (bei Regen) und vor allem: Regen. Dann lieber wieder zurück in die Heimat.

Hingewiesen sei hier auch noch mal auf das in Nijmengen entstandene Video:

Die Dölzschner are three musicians from Dresden-Dölzschen (Germany) making music together since 2011. The basis of the self-written music (HT- Phon sound) is the „HT-Phon“ – an homemade instrument that Ludi build from water pipes.

The new album „Volles Rohr“ (© 2014) is now available!