3.-11.10.13 Stuttgart

Zwischendurch wird Heidelberg als Nachtlager angepeilt ... und fast erreicht. Mitglied Stephan hatte sich zwar zu Beginn der Fahrt den Dieselstand (aufgrund der kaputten Tankanzeige wie gewohnt mit dem Zollstock) vor Augen geführt und für ausreichend befunden – der bewegungslose grüne Bus ist bei Kilometer 575 auf dem Standstreifen der A5 allerdings anderer Meinung. Die Dölzschner haben ihre Düsseldölle verdursten lassen. Doch Hilfe naht! Die schickt zwar nicht der Himmel, aber die gelben Engel kommen trotzdem wie gerufen. In erster Linie deshalb, weil sie gerufen wurden. Die Zeit bis zum Eintreffen der „Gelb-Schwarzen“ (und damit ist nicht Dynamo Dresden gemeint) nutzen Mitglied Schlät und Stephan zum Erproben ihrer Mundharmonikakünste. Seichter „Wohlklang“ erfüllt den Innenraum des Busses. Zumindest würde man es so empfinden, wenn nicht jeder der passierenden LKW dem trockengelegten Gefährt durch seine Luftverdrängung einen saftigen Stoß versetzen würde. Nach einiger Wartezeit trifft der ADAC-Mann mit zwei Dieselkanistern und einer Hand voll guter Ratschläge ein. (Wie sich später herausstellen wird, waren die 1,50 € / Liter ein Schnäppchen im Gegensatz zu dem, was in der Schweiz kommen soll.) Weiter geht’s!

Der Ausflug nach Stuttgart lohnt sich schon deshalb, weil dort Freunde von Mitglied Stephan ihr zu Hause haben und das heißt wiederum, dass man an jenem Ort das Paket mit den 2000 bestellten Visitenkarten in Empfang nehmen kann. Außerdem klang im Vorfeld an, dass möglicherweise Alternativen zur Düsseldöllner Freiluftdusche geboten werden. Das ist fein.

Später wird sich herausstellen, dass die Bewirtung durch die Meyers weit über die bloße zur Verfügungstellung ihrer Sanitäranlagen hinaus geht. Das beginnt damit, dass Die Dölzschner nach ihrer Ankunft erst einmal zum Abendessen eingeladen werden, Strom und W-LAN inbegriffen. Der herzliche Empfang tut gut und obwohl die Atmosphäre zum gemütlichen Verweilen im Wohnzimmer einlädt, zieht es die eben erst Angereisten in die Innenstadt, wo man den anstehenden Schnapsgeburtstag von Mitglied Krieger mit Selbigem (oder zur Not auch anderen alkoholischen Lustigmachern) angemessen begehen möchte. Kurz vor Mitternacht sucht man einen Club auf, der ungünstigerweise im preisintensiveren Viertel des Stuttgarter Nachtlebens angesiedelt ist. Egal, dann eben kurz anstoßen und weiterziehen. Zum Tag der Deutschen Einheit sind die Straßen auch nachts noch sehr belebt und auch die Öffnungszeiten der Lokale dementsprechend dehnbar. Eine günstigere Adresse ist also bald gefunden und der Abend findet einen angenehmen Abschluss.

Nach einem ausgiebigen Frühstück (ebenfalls bereitgestellt durch Familie Meyer) ist es an der Zeit die finanzielle Lücke, die die letzte Nacht in der Bandkasse verursacht hat, wieder durch Straßenspiel zu füllen. In diesem Zusammenhang bietet sich die Möglichkeit auf einem Weinberg, direkt gegenüber von dem Parkplatz der Düsseldölle zu musizieren. Dort befindet sich ein Aussichtsturm, der Saisonabhängig von verschiedenen Vereinen bewirtschaftet wird, welche den Spaziergängern Kaffee und Kuchen servieren, während diese den grandiosen Ausblick genießen können. Dazu gesellt sich an jenem Tag ein Liveauftritt dreier junger Herren aus Dresden.

Das Feedback ist nicht überwältigend aber positiv und Die Dölzschner entscheiden sich dafür es mal im Stuttgarter Zentrum zu versuchen. Der Herr des Hauses, Martin, bietet sich freundlicherweise sogar an, den Chauffeur zu spielen und Die Dölzschner, sowie ihr Instrumentarium mit einem kleineren (und dadurch wesentlich praktischeren) Wohnmobil (Ford Nugget) in die Stadt zu befördern. Diese ist denkbar gut gefüllt, denn es ist Feiertag und zu solchen Anlässen treten sich die Leute in den Ballungszentren gerne zwischen den Schaufenstern der geschlossenen Läden gegenseitig auf die Füße. Gut für Die Dölzschner, denn die leben davon und schon beim Aufbau platzieren sich die Neugierigen in ungewohnt geringem Abstand um das Trio.

Bald herrscht (wenn man diesen Begriff bemühen darf) regelrechtes Rambazamba. Die Leute lassen sich mitreißen und das stachelt wiederum die Musiker an. Ein weiterer Block folgt ... und noch einer ... und noch einer ... und die Stimmungskurve macht ihrem Namen nicht mehr alle Ehre, denn sie wird zu Geraden. Am Ende sind sich alle einig: " 's hat urst gefetzt!" Die Tageseinnahmen sprechen dieselbe Sprache, denn so viel war's noch nie. Aus Angst, das Gewicht des Münzgeldes könnte die Fahreigenschaften des Tourbusses beeinflussen wird ein Teil der Taler fachmännisch in Münzrollen verpackt und der Rest in der gleichen Kneipe wie am Vorabend in Brauereierzeugnisse investiert. Wie es der Zufall will werden Die Dölzschner auf dem Weg nach Hause auch noch von einem Hamburger wiedererkannt, dessen Kumpel nach einer kurzen Erläuterung des Europatourvorhabens begeistert sein Portemonaie in die Bandkasse entleert. So kann's auch gehen.

Der folgende Tag, läuft, wie schon so viele davor eher schleppend an. Trotz der fortgeschrittenen Uhrzeit (zu der die meisten Menschen schon die zweite Mahlzeit des Tages zu sich nehmen) steht für Die Dölzschner ein reich gedeckter Frühstückstisch bei den Meyers bereit. Dankend wird das Angebot genutzt. Danach soll erneut die Fußgängerzone beglückt werden. Ein passender Ort ist ohne große Umstände ausgemacht, doch die Betreiberin eines in der Nähe gelegenen Standes fühlt sich bedrängt und drückt den verdutzten Packeseln einen Flyer aufs Auge, auf dem fein säuberlich markiert alle zugelassenen Standpunkte für Straßenmusik verzeichnet sind, während sie in breitem schwäbisch versucht die Fronten zu klären. Mit einsichtiger Mine und kompromissbereitem Nicken zieht das Dresdner Urban-Orchester 100 Meter weiter und präsentiert Melodien Dölzschner Ursprungs.

Das Publikum ist interessiert, aber (gemessen am Positionierungsradius) deutlich zurückhaltender als am Tag zuvor. Der abendliche Empfang bei den Meyers ist hingegen wieder eine wahre Freude, denn Lisette, die Frau des Hauses, hat den Kochlöffel nicht ruhen lassen. Es muss sicherlich nicht erwähnt werden, dass Schnitzel auf viel Gegenliebe treffen. Da bleibt man gerne ein wenig beisammen und schaut gemeinsam die Musikboigrafie „Ray“.

Nach einem erneut komplett vorbereiteten „Frühstück“ (eingenommen gegen 12.30 Uhr) bei Martin, Lisette, Gesa und Ole, muss die leicht-luftige Bühne der Straße einer Unterführung weichen, da die Witterungsstute mal wieder die Hufe hochreißt und feuchtes Klima über „Stutte“ hereinzieht.

Eine Unterführung bringt in Sachen Akustik einige Schwierigkeiten mit sich. Während der Drummer beim halligen Sound der umgebenden Betonwände gerne mal etwas härter zu haut und sich einen Ast daran freut, wie jedes erzeugte Geräusch mit einem markerschütternden Scheppern im Raum verklingt, sind die restlichen Musiker darum bemüht, einen halbwegs allgemeinverträglichen Sound aus ihrem Equipment zu holen. Aber es klappt.

Trotzdem ist das Publikum recht mager, weshalb man schon nach kurzer Spielzeit wieder zusammenpackt und mit Martin zum Stuttgarter Flughafen fährt um einige außergewöhnliche Fotos zu schießen.

Nach dem „Shooting“ begibt man sich wieder zu den Meyers und in die Obhut ihrer hervorragenden Kochkünste. Nebenbei sei erwähnt, dass man nicht nur zum Essen bei Familie Meyer war, sondern bereits am ersten Tag des Besuchs einen eigenen Hausschlüssel zur freien Nutzung übergeben bekam.

Wer sich nun wundert, warum sich der Aufenthalt überhaupt in dieser Weise hinzieht, dem sei gesagt, dass nicht nur die druckfrischen Visitenkarten auf ihren Abnehmer warten, sondern auch ein Paket zur Aufstockung des Instrumentariums auf dem Weg ist. Mitglied Schlät erwartet nämlich ein Saxophon, doch das lässt auf sich warten. Bei dieser Gelegenheit hat sich auch Mitglied Stephan gleich ein neues Tasteninstrument vom örtlichen Musikladen besorgt.

Es folgen eine weitere Übernachtung und ein erneuter Ausflug ins Zentrum zum Straßenspiel. Abends stattet der Lieblingshalbintaliener und gemeinsame Kumpel der Dölzschner, Gio, den Tourenden noch einen Besuch ab und ein zusätzlicher Schlafplatz im Gang der ohnehin schon engen Düsseldölle wird geschaffen.

Nach einem einwöchigen Aufenthalt in Suttgart mit Vollpension bei Familie Meyer, sowie einigen durchzechten Nächten inklusive neuer Bekanntschaften trifft endlich das Saxophon ein und es ist Zeit weiter zu ziehen. Mal sehen was Strasbourg von den Dölzschnern hält.

Die Dölzschner are three musicians from Dresden-Dölzschen (Germany) making music together since 2011. The basis of the self-written music (HT- Phon sound) is the „HT-Phon“ – an homemade instrument that Ludi build from water pipes.

The new album „Volles Rohr“ (© 2014) is now available!