Montecarlo / Nizza / Cannes 8.-10.11.2013

Man, Man, Man ... hier stinkt's nach Kohle. In Montecarlo (Monaco) bekommt man schon vom bloßen hinsehen vergoldete Pupillen und wahrscheinlich atmet man Diamantstaub. Zwischen Hotels deren Sterne man nicht mehr an beiden Händen abzählen kann und Läden in denen die High-Society sich mit allerlei Prunk behängt, für den ein Normalsterblicher zwei bis fünf Jahresgehälter hinblättern müsste, schiebt sich die DüDö zum Hafen. Und da geht der Spaß erst los! Ein Rummelplatz mit dessen Energieverbrauch man eine Kleinstadt versorgen könnte zieht sich entlang der Uferpromenade. Das Highlight befindet sich allerdings nicht an Land, sondern treibt sanft schaukelnd am Kai: Yachten. Und was für welche. Eine sauber aufgestellte Reihe schwimmender Mehrfamilienhäuser im Luxusformat stellt die drei weniger gut betuchten Döllis und ihre fahrende Einzimmerwohnung lässig in den Schatten. Ist aber nicht so schlimm, denn nachts ist sowieso überall Schatten und spätestens nach ihrer Rückkehr werden Die Dölzschner so ein Ding auch im Teich liegen haben ... eine Yacht mit Pool ... die im Pool der noch größeren Yacht darunter vor Anker liegt. Ja, so in etwa wird das sein, aber alles zu seiner Zeit. Man belässt es (nicht nur auf Grund mangelnder Parkplätze sondern auch geeigneter Auftrittsorte) vorerst bei den Eindrücken der Glitzermetropole und begibt sich weiter nach Nizza.

 

Die Straße hinab nach Nizza bietet bereits im Vorfeld eine wunderbare Sicht auf die Stadt, die hell erleuchtet im Tal liegt. Nachdem der Motor der DüDö an einem geeigneten Ort ausgeschaltet wird, weicht die Stille bald einem anderen Geräusch ... knurrende Mägen. Was zum Abendessen aufgetischt wird, hat sich Kollege Schlät schon genau in Monaco überlegt: „In Nizza essschne Pizza“. Nicht nur, weil es dieses grandiose Wortspiel geradezu erzwingt, sondern auch weil eine Pizzabude nur wenige Meter vom Rastplatz entfernt noch die Pforten geöffnet hat. Nach dem Schmaus wird voreilig das DDR zur Beurteilung herangezogen, was allerdings schnell wieder rückgängig gemacht wird, denn für einen Döner war die Pizza geschmacklich einfach zu weit ab vom Schuss. Um genau zu sein hat die Pizza gar nicht nach Döner geschmeckt. Was soll's, Hauptsache satt.

Nach der nächtlichen Ruhephase geht es weiter mit einer lustigen Runde Straßenmusik. Natürlich nicht ohne vorher ein paar (dutzend) Ehrenrunden auf der Suche nach einem Parkplatz absolviert zu haben. An einem schönen Fleckchen unter Bahngleisen, neben einem Neubauviertel wird die DüDö stehen gelassen und die Instrumente ausgeladen. So manch einer hat Tränen in den Augen. Heimweh? Nein, es stinkt einfach nur abartig nach Pisse. Schnell weg hier! Der Marsch ins Zentrum offenbart einen weiteren Schwachpunkt des Stellplatzes, denn er zieht sich in die Länge. Endlich an der Einkaufsmeile angekommen, ist keine Zeit mehr zu verlieren und die Show so zeitnah wie möglich zu starten. Einige Titel bekommen die Bürger Nizzas zu hören. 1, 2, 3 ... Polizei!

- “Achja? Lizenz ... hmmm ... nein, haben wir nicht ... haben wir nicht gewusst ... ja, nicht mehr spielen ... hmm ... ja ... ja ... tut uns leid, kommt nicht mehr vor.“

Einpacken. Abhauen.

Cannes wird vorerst nur durchfahren, da es bereits Nacht ist und sich Straßenspiel somit wenig lohnt. Außerdem möchte man abends ja auch nicht mehr arbeiten sondern viel lieber am nächstliegenden Gewässer ein Bierchen zischen. Dieses Vorhaben wird mit bemerkenswerter Effizienz durchgeführt und schon bald steht die DüDö auf einer Anhöhe oberhalb des Strands. Die Döllis hocken derweil unterhalb der Anhöhe auf den Felsen im Meer und genehmigen sich ein paar Runden „Spaß im Glas“. Leider wurde im Vorfeld nicht bedacht, dass die Hopfenleckereien nicht nur verflucht teuer sind, sondern auch in winzigen Flaschen ausgegeben werden, sodass sich der Inhalt auf dem Weg zum Mund schon zu (gefühlten) 50% verflüchtigt. Die Motivationsnahrung ist dementsprechend schnell aufgebraucht und man bettet sich zur Ruhe.

Als Die Dölzschner erneut durch die Straßen Cannes‘ rollen, sind die Filmfestspiele bereits vorbei. Nur ein roter Teppich vor dem Eingang eines großen Kinos zeugt noch von Glanz und Glamour. Vielleicht hätte man hier zur rechten Zeit einen begeisterungsfähigen Regisseur gefunden, der gewillt gewesen wäre diese Worte zu verfilmen. Nächstes Jahr. Zuerst muss der musikalische Durchbruch her. Am besten hier, in Cannes, an der Uferpromenade, oder irgendwo anders, egal, Hauptsache Durchbruch, aber erstmal parken. Überraschenderweise sucht man in Cannes nicht unverhältnismäßig lange nach einem passenden Platz. Der Wehrmutstropfen ist die steife Brise, die entlang der Küstenpartie peitscht und den Dölzschner Sound womöglich in alle Himmelrichtungen verteilt, bevor er beim Publikum ankommt. Man hätte seine Mütze festhalten müssen, wenn man eine aufgehabt hätte. Hat man aber nicht, was das Unterfangen, vom musikalischen Standpunkt aus betrachtet, jedoch angesichts der mangelnden Relevanz dieses Faktes nicht wesentlich simplifiziert. Fakt ist: Ein Windstiller Ort muss her. Mit vollem Marschgepäck läuft man die Uferpromenade entlang … und läuft … und läuft … am Hafen entlang, am Kino vorbei, über den roten Teppich,

bis man irgendwann in einen begrünten Bereich gelangt, der sowohl Windstille als auch Atmosphäre bietet, wenn man von der Rummelähnlichen Vergnügungsmeile rechterhand und den schwarzen Handtaschenverkäufern zur Linken absieht, die mit Argwohn das anrückende Trio betrachten. Zügig wird das Instrumentarium in Stellung gebracht und die ersten Stücke des Repertoires gespielt. Im Verlauf der Darbietung zeigt sich jedoch langsam, dass Die Dölzschner hier nicht ihr Traumpublikum finden werden. Immer weniger Leute lauschen den heiteren Klängen der drei deutschen Musiknomaden und irgendwann ist auch der Wille zur Produktivität seitens der Döllis erschöpft.

⁃ „Alter, wasn hier los? Mögen die keine Musik oder was?“
⁃ „Cannes [gesprochen: Kann] kann mich mal!“
⁃ „Ja, Cannes kann einfach mal gar nichts…“

Was Cannes kann, kann keiner genau sagen, den Dölzschnern reicht’s aber für’s erste. Nachdem dieselbe Strecke zum Bus mit Sack und Pack erneut zurückgelegt, fällt es nicht allzu schwer, der Heimat des wohl berühmtesten Filmfestivals den Rücken zu kehren und den Weg zu verheißungsvolleren Orten anzutreten.

Die Dölzschner are three musicians from Dresden-Dölzschen (Germany) making music together since 2011. The basis of the self-written music (HT- Phon sound) is the „HT-Phon“ – an homemade instrument that Ludi build from water pipes.

The new album „Volles Rohr“ (© 2014) is now available!