Barcelona 23.-28.11.2013

Von Barcelona als Straßenmusiker-Paradies wurde den Döllis auf ihrer Reise schon einiges zugetragen. Dort seien die Wiesen grün und saftig, die Polizei störe sich nicht an den allerorts musizierenden Straßenkünstlern und das Geld würde einem nur so hinterher geworfen. So denn obliegt es den drei Döllonesen heraus zu finden, ob dem denn wirklich so ist.

Nö.

Der Ankunftstag bietet nicht einmal die Gelegenheit die Bespielbarkeit der Barcelonaer Straßen zu testen, weil sich nicht die geringste Möglichkeit ergibt auch nur zu halten. Die Motivation, die beim Anblick der gefüllten Straßen noch kräftig am Anschwellen war, hat sich nun nach stundenlanger (!) Suche nach einem Parkplatz auf der Couch niedergelassen und denkt darüber nach Hartz 4 zu beantragen. Als die Dämmerung einsetzt verlässt man erschöpft und frustriert die Stadt, jedoch immer noch mit der Hoffnung am Folgetag, zu früherer Stunde, einen Platz zu erwischen.

Die Touristeninformation gibt zumindest Aufschluss über die Funktion der bunt markierten Parklücken. Es gibt Lücken in denen man halten darf, Lücken in denen man parken darf, Lücken in denen man halten und als Anwohner oder gegen Bezahlung Parken darf und Lücken in denen man als bezahlter Anhalter und/oder im Park wohnen darf. Wenn diese denn nicht schon von anderen Verkehrsteilnehmern okkupiert wären. Die Bandkasse ist mittlerweile besorgniserregend ausgehungert und beginnt bedrohlich zu knurren, wenn man sich ihr nähert.

Irgendwann und irgendwie schafft man es den froschfarbenen Transporthelikopter an den Trog zu binden und sich mit allerhand musikalischen Leckerlies zu Fuß auf den Weg zu machen. Auf einem gut begangenen Platz mit Springbrunnen im Rücken wird Stephans PVC-Orgel, Schläts Holz-Tröte, sowie seine amplifizierten Klampfen und Kriegers Kompakt-Schießbude in Stellung gebracht. Positive Resonanz ist das Ergebnis. Bei den meisten Leuten zumindest. Die Spielverderber in Uniform finden’s nicht so gut. Lizenz und so …

-Krieger / Stephan / Schlät (gedanklich):

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Leise grummelnd wird das instrumentale Sammelsurium wieder in Transport-Status versetzt und der Weg durch die Stadt fortgesetzt. Barcelona ist groß und vielleicht kann man andernorts den Polizei bedingten Abgang noch etwas hinaus zögern, denn die Polizeipräsenz ist enorm und die Chancen, den gleichen Uniformierten noch einmal zu treffen sind dementsprechend gering. Es funktioniert. Wieder spielt man an anderer Stelle, bis die Ordnungshüter am Horizont auftauchen und beim näheren Hinsehen zum erneuten Aufbruch drängen. Tief durchatmen, weiterziehen. Nachdem der halbe Tage damit zu gebracht wurde kreuz und quer durch die Gassen zu ziehen, gelangen die Döllis an den Hafen, bauen sich für einen letzten Versuch auf einer Verkehrsinsel in der Mitte eines Kreisverkehrs auf und beginn zu musizieren.

Da schau an! Die Polizei fährt zwar ab und an vorbei, doch Beschwerden bleiben aus und auch die Zuschauerzahl lässt aufgrund der guten Lage nicht zu wünschen übrig. Auch das erste Auftrittsangebot lässt nicht lange auf sich warten. Der Besitzer des „Club Marley“ (einer der zahlreichen legalen Coffee-Shops in Barcelona) bietet an, den Dölzschnern eine Plattform für ihre Kunst in Form eines Auftritts in besagtem Etablissement zur Verfügung zu stellen. Die Kontakte werden ausgetauscht und man tritt wieder etwas motivierter, aber ähnlich ausgelaugt den Heimweg an.

Hübsch anzusehen ist, wie begeistert die Leute von der Düsseldölle sind. Hält der Gaul der Dölzschner an einer Ampel, bleiben auch die Leute stehen und heben mit einem dicken Grinsen den Daumen oder die Kamera. Dass dieses Gefährt etwas sehr spezielles ist sollte ja langsam allen klar sein, aber die Einwohner Barcelonas finden aus einem nicht näher definierten Grund besonderen Gefallen an ihm. Womöglich bekommen die Leute einfach selten jemanden zu Gesicht, der bekloppt genug ist, mit einem so großen Vehikel in der Innenstadt auf Parkplatzsuche zu gehen.

Am dritten Tage weiß man endlich wo’s lang geht bzw. wie’s läuft. Die Parkplatzsuche ist weitaus weniger beschwerlich aber irgendetwas ist trotzdem anders, denn ein beachtliches Polizeiaufgebot säumt eine Hauptstraße.

⁃ „Die sind bestimmt nur wegen uns da ... jetzt kriegen se uns dran ... ich hab Angst“

⁃ „Ruhe jetze! So n Unfug!“

Tatsächlich wird die DüDö nicht von bewaffneten Einsatzkräften umstellt. Diese stehen nämlich (noch) nur auf der Straße rum und sehen wichtig aus. Wichtig aussehen ist übrigens eine absolute Spezialität der spanischen (und besonders Barcelonaer) Polizisten. Wahrscheinlich gibt es dafür extra Seminare in der Polizei-Ausbildung: „Wie bringe ich meine dicke Hose in Kombination mit meiner Pilotenbrille und dem Drei-Tage-Bart am besten zur Geltung, während ich mit abschätzigem Gesichtsausdruck Straßenkünstler verjage.“ Im Gegensatz dazu wurde der Englischgrundkurs offensichtlich gestrichen.

Ein Pfiff ertönt, dann noch einer und langsam werden es mehr. Leute mit Trillerpfeifen, Tröten und Pappschildern beginnen sich am oberen Ende der Straße zu sammeln. Viele Leute. Die Vermutung liegt nahe, dass hier wohl heute eine Demo stattfindet und sie wird kurz drauf bestätigt, als sich der Trott (begleitet von den Sicherheitskräften) in Bewegung setzt und geräuschintensiv auf Probleme hinweist. Was das für Probleme sind ist den Dölzschnern natürlich nicht ganz klar, denn die ausgerufenen Parolen sind auf Spanisch und auf den meisten Schildern sind lediglich durchgestrichene Scheren zu sehen.

⁃ Stephan: „Die ham wahrscheinlich was gegen irgendwelche Kürzungen“

⁃ Schlät: „Quark. Die wollen Bastelläden verbieten.“

⁃ Krieger: „Neee… Die wollen mehr durchgestrichene Scheren für alle!“

Was auch immer der Grund für den Unmut der Leute ist, Die Dölzschner lassen sich so eine massive Menschansammlung natürlich nicht entgehen und bauen sich direkt neben ihrem Bus auf, den Blick auf die vorbeiziehenden Demonstranten gerichtet. Diese wissen im ersten Moment nicht so recht, was sie von dieser spontanen Musikeinlage halten sollen, aber immer mehr senken ihre Schilder, bleiben stehen und man kann sehen, wie sich ihr Blick aufhellt. Und auch die Stimmung der drei Demo-Crasher wird beim Klingeln der Kasse immer besser.

Nach einiger Zeit zerstreuen sich die letzten Protestanten und auch die Döllis begeben sich auf die Suche nach einem neuen Spielort. Hola Policia! Na gut, dann ist eben Schluss für heute. Irgendwas war doch noch. Richtig, der Kollege vom Club Marley wartet.

Der Club ist gar nicht so leicht ausfindig zu machen, besonders in einer verwinkelten Stadt wie Barcelona. 20 Minuten nach dem vereinbarten Zeitpunkt steht man vor einer Tür, die laut der Beschreibung des Besitzers den Eingang darstellen soll. Auf das Türklingeln hin öffnet sich die Pforte und ein Mann, der hinter einer Art Theke sitzt begrüßt die Neuankömmlinge. Die Dölzschner erklären warum sie da sind und erbitten Auskunft über den Verbleib des zuvor kontaktierten Club-Besitzers. Der junge Herr erläutert, dass dieser zurzeit nicht zugegen sei und man zum Betreten der Lokalität einem Mitgliedsbeitrag zahlen müsse. Eintritt zahlen? In einen Club, in dem man als Band gebucht ist? Nee, da läuft irgendwas falsch. Man verlässt das Gebäude also wieder und versucht den verschollenen Besitzer zu kontaktieren. Keine Antwort ... auf zur Schlafplatzsuche. Ah, hier direkt am Meer sieht’s doch gut aus. Der Parkplatz ist zwar mal wieder nur für Fahrzeuge der gängigen Standard-Größen ausgelegt, aber irgendwie passt das schon. Die DüDö blockiert nach dem Einparken auch nur ein ganz kleines bisschen ... den kompletten Fußweg.

Am Morgen darauf winkt ein Bad im Meer. Das kommt ganz gelegen, denn die Dölle verwandelt sich bei Sonneneinstrahlung in eine nette Saunalandschaft, in der man nach dem Aufwachen noch etwas in seinem eigenen Saft köcheln kann. Ob man will oder nicht. Also hüpft man nach dem zweiten Aufguss in die Fluten und erscheint bald darauf in der Küchenzeile der DüDö zum Frühstück. Da klopft es an der Tür. Nanu ... Besuch zu dieser Stunde? Steht da etwa ein verzweifelter Fan außerhalb der Dölle und hofft auf ein Autogramm oder gar einen herzlichen Händedruck seitens seiner Idole? Der unerwartete Gast trägt eine blau-weiße Uniform und wirkt, als ob er den herzlichen Händedruck eher in irgendjemandes Gesicht platzieren möchte. Er ist anscheinend gar nicht damit zufrieden, dass die Düsseldölle so viel Fläche auf dem Parkplatz einnimmt. Es reicht also nicht, dass man für Straßenmusik eine Genehmigung braucht, es darf auch nicht jeder x-beliebige Stellplatz sein. Das Frühstück wird mit einem resignierten Seufzen unterbrochen und nach einer kurzen Strecke in einer besseren Lücke fortgesetzt. Nach wenigen Minuten steht der eifrige Gesetzeshüter leider wieder auf der Matte und brabbelt den Dölzschnern in Spanisch entgegen. Das Spanisch stört natürlich keinen, da es sein gutes Recht ist dieses zu sprechen, aber die Art und Weise, sowie der Fakt, dass die Polizisten hier ganz offensichtlich absolut unterbeschäftigt sind führen zu einer immer gereizteren Stimmung. Bevor Mitglied Stephan dazu kommt, dem unfreundlichen Wichtigtuer sein Müsli über die frisch gebürstete Jacke zu kippen wird der Bus doch wieder in Bewegung gesetzt. Davon lässt sich der blasierte Rohrspatz allerdings noch nicht überzeugen und heftet sich an die Fersen der Döllis. Jetzt wird’s langsam lächerlich. Bei einer wahnwitzigen Geschwindigkeit von schätzungsweise 25-30 Km/h entbrennt eine erbitterte Verfolgungsjagd. Zum Ende der Straße, dann 5 Runden durch den Kreisverkehr und in entgegengesetzter Richtung wieder zurück. Nach fünfminütiger Rundfahrt wird dem aufdringlichen Beamten langsam klar, dass er dem unbarmherzigen Räumpanzer der Döllis nichts entgegenzusetzen hat und gibt die Verfolgung auf. Ha! In your face!

Nach dieser nervenaufreibenden Einlage ist es mal wieder Zeit ein paar Münzen zu erspielen. Die Probleme, die sich bei diesem Unterfangen auftuen dürften kein Rätsel mehr sein. Es kommt dazu, dass die drei mehr oder weniger glücklosen semi-kriminellen beschließen nachts zu spielen. Im Park. Auf einer Insel. Nicht viele Leute verirren sich, angezogen vom Sound der ungewöhnlichen Parkkapelle, auf die kleine Teichinsel im nächtlichen Dickicht des Parks. Aber die, die es schaffen erleben eine hübsche Stimmung. Das könnte auch bei Tageslicht funktionieren.

Hier die Kurzfassung des nächsten Tages: Die Dölzschner versuchen im Park zu spielen. Polizei kommt. Danke. Tschüss Barca!

Die Dölzschner are three musicians from Dresden-Dölzschen (Germany) making music together since 2011. The basis of the self-written music (HT- Phon sound) is the „HT-Phon“ – an homemade instrument that Ludi build from water pipes.

The new album „Volles Rohr“ (© 2014) is now available!