Alicante 17.-18.12.2013

„Heute geben wir uns Alicante!“, lautet der Leitspruch für den nächsten Anlaufpunkt im sonnigen Spanien. Parkplätze sind rar aber daran ist man gewöhnt und so braucht es lediglich etwas Ausdauer, bis eine passende Entladestelle gefunden ist. Die musikalische Fracht wird fachgerecht entnommen und auf Schusters Rappen der Weg zum Zentrum gesucht. Plötzlich durchzuckt ein Gedanke Schläts Kopf. Die Saiten seiner Gitarre bedürfen der Komplettierung, da eine von ihnen bei vergangenen musikalischen Aktivitäten das Zeitliche gesegnet hat. Auch nicht-Gitarristen wissen, dass der Sound einer fehlenden Saite einfach viel weniger griffig ist. Mitglied Krieger bietet absolut selbstlos seine top gepflegte Luftgitarre als Ersatz an. Schlät lehnt dankend ab und erklärt, dass seine Fähigkeiten an imaginären Instrumenten etwas eingerostet sind. Krieger packt seine Luftgitarre also wieder in den dafür vorgesehenen, nicht-existenten Koffer und Schlät macht sich auf die Suche nach einem Saitenfachhandel bzw. Musikgeschäft. Währenddessen philosophieren Stephan und Krieger über die Passanten.

- Stephan: „Guck mal dort drüben der Typ … was wird wohl mal aus dem werden?“
- Krieger: „… hmmm … Zeichenmappe unterm Arm, studiert wahrscheinlich Kunst. Ich tippe auf Taxifahrer. Und die dort drüben? Die ist doch n bissl zu alt für ihre pinken Leggins.
- Stephan: „Also der Hautbeschaffenheit zufolge ist die zu alt für jegliche Arten eng anliegender Kleidung.“

Es vergeht einige Zeit, in der man sich (mal mehr, mal minder objektiv) über die vorbei ziehenden Leute auslässt, bis Schlät mit einem neuen Satz Saiten in der Hand wieder am Ausgangspunkt aufschlägt und man anfängt zu musizieren. Schnell zeigt sich, dass der gewählte Platz ein ungünstiger ist und es andernorts möglicherweise lohnender wäre. Umzug! In einer farbenfrohen Gasse wird den Einwohnern Alicantes nochmals der Marsch geblasen, bis zwei Beamte den Dölzschnern den Stecker ziehen. Eine junge Frau wendet sich daraufhin an die drei Straßenkünstler und drückt ihr Mitleid über den zeitigen Show-Abbruch aus. Sie hat allerdings auch eine nicht zu verachtende Aufmunterung in Petto. Wenn Die Dölzschner abends zwei drei Titel in ihrem Sushi-Restaurant spielen, gibt es gratis Speis und Trank. Na das klingt doch vernünftig.

Nichts desto trotz sind die Döllis gewillt auch noch nach anderen bespielbaren Lokalitäten zu suchen und fragen auf dem Weg zurück zur DüDö in einigen Bars nach der Möglichkeit eines Auftritts. Vor einem Irish- Pub, der soeben eine Absage in Bezug auf eine Liveperformance gegeben hat sitzen einige nobel gekleidete und leicht angetüdelte Herren, die beim Anblick des HT-Phons um eine kurze Kostprobe des Dölzschner Repertoires bitten. Man versucht den Herrschaften verständlich zu machen, dass dies aufgrund des soeben erteilten Abpfiffs durch die Polizei nicht möglich sei, doch die heiteren Herren lassen nicht locker. Schließlich zückt einer von ihnen einen hübschen, mit einer zwei und einer null bedruckten Schein und überreicht diesen Mitglied Stephan. SO sieht gute Überzeugungsarbeit aus! Es wird ein Song zum Besten gegeben und die Begeisterung der bespielten nimmt stetig zu. Kaum ist der letzte Ton verklungen, wird auf einen weiteren Song gedrängt. Das Polizei-Argument zeigt auch ein zweites Mal Wirkung und ein weiterer Zwanni, sowie der Gesamte Inhalt des Kleingeldfaches wandern in den Besitz der Dölzschner. Das nächste Stück wird gespielt. Am Ende liegen 50€ für 2 Lieder in der Kasse. Das ist Rekord. Fröhlich beschwingt und in Erwartung eines leckeren Abendmahls macht man sich auf, zurück zum Bus und zu gegebener Zeit in Richtung „Ellas – Sushi and Art“.

Schon beim betreten des Restaurants wird klar, dass es sich hier nicht um eine Fast-Food-Bude handelt. Ein schlichtes und nobles, aber dennoch gemütliches Ambiente lässt die Vorfreude weiter wachsen. Nach einer herzlichen Begrüßung durch die Chefin und die restlichen Mitarbeiter stellt man die mitgeführten Instrumente vorerst beiseite und lässt sich an einem Tisch nieder, auf dem gleich darauf drei frisch gezapfte Cerveza erscheinen. Was dann folgt ist ein wahres Gaumenfest.

Angefangen mit einer kleinen Vorspeise erstreckt sich die Kulinarische Reise über sechs verschiedene Gänge mit unterschiedlichen Shushi-Variationen, knusprig paniertem Hühnchen bis hin zur fantastischen Nachspeise. Alles wird in zierlichen Portionen, sehr sehenswert angerichtet serviert und die Geschmacksknospen fangen bei jedem Bissen leise an zu jubeln. Hier ist das Essen - wie der Name des Nobelrestaurants schon sagt- (nicht nur optisch) tatsächlich Kunst.

http://ellassushiart.com/home/?restaurante

Während die Döllis immer noch fasziniert vom kulinarischen Höhenflug das nächste Blonde genießen, hält eine feine Gesellschaft Einzug in das (bislang leere) Restaurant. Es wird Zeit ein bisschen zu arbeiten. Mit abgespecktem Instrumentarium spielt man so dezent wie möglich drei Songs für die anwesenden Gäste und natürlich die netten Kellner inklusive Chefin.

Obwohl es den Anschein hat, als hätten die meisten der Sushi-Liebhaber vor Ort mehr mit sich zu tun und nach dem ersten Titel abgeschaltet, wird den Dölzschnern ein Prall gefüllter Hut mit Trinkgeld überreicht, den die Restaurantbesitzerin – Die Dölzschner selbst wären nach diesem Festmahl nicht einmal auf die Idee gekommen nach Spenden zu fragen – nach dem letzten Titel bei dem knappen Dutzend Feinschmecker herumgereicht hat.

Dieser Abend wird noch lange im Gedächtnis der drei Glückspilze bleiben, die sich nach getaner „Arbeit“ noch ein kleines Glückspils gönnen und in der Nacht mit ihrem treuen Bus, am Rande einer Klippe die Augen schließen.

Die Dölzschner are three musicians from Dresden-Dölzschen (Germany) making music together since 2011. The basis of the self-written music (HT- Phon sound) is the „HT-Phon“ – an homemade instrument that Ludi build from water pipes.

The new album „Volles Rohr“ (© 2014) is now available!